Stellungnahme der Schachbundesliga zum Rückzug des SK Turm Emsdetten

Erstellt am: 16.04.2016

Mit E-Mail vom 13. April 2016 hat der SK Turm Emsdetten e.V. mitgeteilt, in der Saison 2016/17 nicht mehr am Bundesligaspielbetrieb teilzunehmen.

Aus der Sicht des Schachbundesliga e. V. ist hierzu festzustellen:

  1. In den letzten Jahren hat der SK Turm Emsdetten einen Großteil seiner Mitglieder verloren, viele davon an den Ortsrivalen SC Rochade Emsdetten. Das plötzliche Ableben des langjährigen Vorsitzenden Dr. Wilhelm Loges im August 2014 war ebenfalls ein gravierender Einschnitt.
  2. Trotz der schwindenden personellen Ressourcen und der damit verbundenen Organisations- und Finanzierungsschwierigkeiten hat der SK Turm Emsdetten den Spielbetrieb der Erstligamannschaft so gut und so lange wie möglich weitergeführt. In der Saison 2015/16 ist dies die einzige noch verbliebene Mannschaft des Vereins.
  3. Vor diesem Hintergrund wurde eine Fusion mit dem SC Rochade Emsdetten angestrebt. Beide beteiligten Vereine haben sich im Februar 2016 an den Schachbundesliga e.V. gewandt und den Willen zur Fusion erklärt mit der ausdrücklichen Absicht, die Spielberechtigung in der 1. Schach-Bundesliga aufrechtzuerhalten.
  4. Sowohl der Schachbundesliga e.V. als auch der Bundesturnierdirektor und der Bundesrechtsberater des Deutschen Schachbundes haben beiden Vereinen den rechtlich gangbaren Weg hierzu aufgezeigt. Für die beteiligten Vereine wären nach allgemeiner Einschätzung sowohl der Aufwand als auch die Kosten auf diesem Weg zur Fusion überschaubar gewesen.
  5. Zusätzlich hat sich der Vorstand des SC Rochade Emsdetten dem Vernehmen nach um Einwerbung von Finanzmitteln zwecks Aufrechterhaltung der Erstligazugehörigkeit gekümmert.
  6. Die Mitgliederversammlung des Vereins SC Rochade Emsdetten hat sich nach vorliegenden Informationen am 11. März 2016 für die Fusion ausgesprochen.
  7. Leider hat sich der Vorstand des SK Turm Emsdetten in der Folge gegen die Fusion entschieden und diese Erklärung übermittelt.

Der Schachbundesliga e.V. bedauert außerordentlich, mit dem SK Turm Emsdetten ein langjähriges Mitglied zu verlieren. Die Fusion hätte aus unserer Sicht die Chance geboten, das Fehlen von personellen und finanziellen Ressourcen überwinden zu können.

Deutscher Schachbund und Schachbundesliga e.V. haben sich dafür eingesetzt, dass die Spielberechtigung für die höchste Spielklasse nicht verloren geht. Letztlich hat sich unser Mitglied allerdings anders entschieden; dies müssen wir akzeptieren.

Wir danken den Spielern und Verantwortlichen des SK Turm Emsdetten für den vorbildlichen Einsatz im sportlichen und organisatorischen Bereich sowie für die konstruktive Mitwirkung in unseren Vereinsorganen während der achtjährigen Zugehörigkeit zum Schachbundesliga e.V..

Leider ist die aktuelle Entwicklung in Emsdetten ein Rückschlag sowohl für die Schachbundesliga als auch für die Bemühungen von Akteuren auf allen Ebenen des deutschen Schachs, die versuchen, sowohl das Vereinssterben einzudämmen als auch der Tendenz entgegenzuwirken, dass immer mehr Mannschaften dauerhaft vom Spielbetrieb abgemeldet werden.

Das Beispiel Emsdetten lehrt aber auch, dass die Situation jedes Vereins, der sich in Schwierigkeiten befindet, individuell betrachtet werden muss. Die Herbeiführung und Umsetzung wichtiger Weichenstellungen steht im Kontext lokaler Gegebenheiten und oft auch persönlicher Befindlichkeiten.

Im Rahmen seiner Einflussmöglichkeiten tritt der Schachbundesliga e.V. für vernünftige und nachhaltige Lösungen ein, um Vereine zu stärken und die Beteiligten zu unterstützen.

Markus Schäfer                                             Ulrich Geilmann

Präsident Schachbundesliga e.V.                  Vizepräsident Schachbundesliga e.V.



Über den Autor

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Marc Lang

Marc Lang ist bekannt für seine Blindschachveranstaltungen und hielt bis Dezember 2016 den Weltrekord im Blindsimultan gegen 46 Gegner, aufgestellt 2011 in Sontheim/Brenz, wo er heute lebt.